Die wenigen Male, die Jürgen bisher mit Lufthansa unterwegs war, endeten meist in einem Fiasko. Da wäre eine ungewollte Nacht im miesen Sheraton in Rom, weil man in Frankfurt nicht mehr wegen Schnees landen durfte; mehrfach überbuchte Flüge und jetzt kommt noch ein handfester Streik dazu.

Einmal im Jahr macht sich also Jürgen auf den Weg zu einer Städtereise mit seinem Bruder und sie konnten keinen besseren Termin finden, als den Freitagvormittag, wo in Frankfurt die Flugbegleiter streikten. Ich erhielt noch eine sehr optimistische Mail, dass das Gate offen ist und sie gerade boarden, kurze Zeit später kam dann der frustrierte Anruf. Gate zu und ich soll ihn mal umbuchen. Sich an die mehr als 400m lange Schlange vor dem Umbuchungsschalter anzureihen, wurde ihm abgeraten, das würde noch viele Stunden dauern.

Die nächsten Stunden war ich dann beschäftigt, aus endlosen Warteschleifen rauszufliegen. Irgendwie hatte ich mich wohl bei der Spracheingabe vertippt und hatte dann einen Servicemitarbeiter an der Strippe, der mir eine andere Nummer gegeben hat. Auf meine Frage hin, warum ich den Flug nicht online umbuchen kann, konnte er mir leider auch nicht beantworten. „Da steht, er ist abgeflogen!“.

Die neue Nummer war zum Glück ohne Sprachcomputer, dafür aber immer besetzt. Nach dem gefühlten hundertsten Mal, hatte ich einen am Telefon. Er würde jetzt den Hinflug erstatten und eintragen, dass er den Rückflug trotzdem in Anspruch nimmt. Von einer Umbuchung auf den nächsten Morgen hat Jürgen dann mal abgesehen, weil er sonst mitten in der Nacht zum Flughafen hätte fahren müssen und wahrscheinlich ist dieser Flug sowieso überbucht gewesen.

Fünf Minuten später klingelte das Telefon, der letzte Servicemensch war wieder dran und teilte mir mit, dass das mit der Erstattung wohl nichts wird, da der Flug abgeflogen ist – Shit! Hat nun Jürgen den Flug verpasst?! Er also nochmal zum Gate zurück, um die Sache zu klären. Ja, der Flug ist abgeflogen, aber als Ferry. Was so viel bedeutet, wie ein Leerflug ohne Passagiere, aber bestätigen könnte sie ihm das nicht schriftlich.

Unter den tausenden von Menschen traf er dann noch Freunde von uns (@Silke: Erinnerst Du Dich noch an den Dekanesen T. Junike mit den roten Haaren?). Die wollten eigentlich nach Rom fliegen, wurden drei Mal umgebucht und sind dann spät abends nach Hause gefahren, um am nächsten Mittag mit Alitalia zu fliegen. Das Gepäck ist erstaunlicherweise sogar rechtzeitig dort angekommen. Der Tag Urlaub in Rom war ab pfutsch.

Tja und dann machte sich der Jürschen auf den Weg zum Bahnhof, um mit dem Zug nach Budapest zu reisen. Jetzt ist er stolzer Besitzer einer Bahncard und weiß, dass es gar nicht lustig ist, wenn der Schlafwagen ausgebucht ist, auf dem reservierten Platz eine Horde Japaner sitzt. Der war natürlich einverstanden seinen Platz zu tauschen und Jürgen musste sich nur mit vier anderen das alte enge 6er Zugabteil teilen.

Am nächsten Morgen mailte mir sein Bruder, der eine einsame Nacht in Budapest verbracht hatte, dass das Päckchen endlich eingetroffen wäre.

Montag Morgen, dann die nächste Ernüchterung: Der Flug war nicht online eincheckbar. Dieses Mal ging sogar nach 10min jemand bei der LH ans Telefon. Er soll halt abends am Flughafen am Schalter einchecken, den Flug hätte er aber noch. Das macht wieder eine Stunde weniger Zeit sich die Stadt anzuschauen, weil man ja früher zum Flughafen muss.

Welch ein Wunder, kurz nach 21 Uhr hatte Jürgen wieder deutschen Boden unter den Füssen. Auch wenn ihm der Airliner nach DA gerade vor der Nase weggefahren war, er hatte es geschafft!

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